Nuancen

April 2016

Ich bin kein Journalist, ich bin Taxifahrer. Ich recherchiere nicht und überprüfe keine Fakten. Mein Job ist es den bunten Strauß Menschen, den mir der liebe Gott in die Taxe wirft, irgendwo da hinten durchs Bild zu fahren.

Es sind jede Sorte Leute - Handlanger, Häuptlinge und Indianer. Die Handlanger wollen labern, die Häuptlinge wollen herrschen und die Indianer wollen reden. Ähnlich wie bei einem Therapeuten gibt es dabei Grenzen, aber keine Zensur. Es wird einfach geredet. Und manchmal frage ich sie aus.

Vor ca. einem 3/4 Jahr die junge Polizistin aus der Provinz, die auf dem Kiez mit ihren Freundinnen feiern wollte. Sie prophezeite den Bürgerkrieg in den Flüchtlingslagern aufgrund ihrer kurzen, aber heftigen Erfahrungen während ihres Dienstes in so einem Lager.

Den Lehrer einer Stadtteilschule im Herzen von Hamburg habe ich neulich ausgefragt. Ein großer, sportlicher Typ mit einem wachen, freundlichem Wesen. In seiner Schule werden Flüchtlingskinder mit deutschen Kindern zusammen unterrichtet, aber es gibt auch extra Klassen für Kinder, die nur ihre eigene Sprache sprechen. Die damit verbunden Problematiken kann man sich vorstellen oder in der Zeitung lesen.

Auf einer Toilette in dieser Schule wurde ein 14 jähriges Mädchen vergewaltigt. Von einem gleichaltrigen Jungen. Das Mädchen war Deutsche, der Junge Araber. Die Reaktion der Schule war, den Jungen zwei Wochen vom Unterricht zu suspendieren. Der Lehrer erklärte mir, dass die einzige Sanktion, zu der eine Schule berechtigt sei, das Gespräch mit den Eltern ist. Ein schlechter Witz bei einem 14 jährigen, unbegleitetem Flüchtlingsjungen. Nach 2 Wochen saß er wieder in der Klasse, zusammen mit dem Mädchen. Stichwort „Inklusion“.

Ein afrikanischer Junge von ca. 15 Jahren, wurde von anderen Kindern rassistsich beschimpft. Der Junge faltete also seine Hände auf dem Rücken und schlug seinen eigenen Kopf mit voller Wucht auf die Tischplatte. Wieder und wieder. Als er später befragt wurde, warum er das gemacht hat, sagte er, dass er die anderen sonst umgebracht hätte, was er aber nicht mehr tun wolle… .

Ein syrischer Junge (ca. 16 Jahre) geriet in Streit mit 5 afghanischen „Schulkameraden“. Der syrische Junge war sehr kräftig und hat die 5 anderen so auseinander genommen, wie er es aus dem Krieg kannte. Mit allem, was er hatte - Stühle, Türen, Fäuste, alles was er dazu benutzen konnte. Am Ende des Kampfes waren die 5 afghanischen Jugendlichen verletzt und teilweise bewusstlos am Boden verstreut.

Der Lehrer erklärte, keiner seiner Kollegen hätte auch nur den Versuch unternommen in diese Schlägerei einzugreifen. Diese einzigartige Brutalität hätte sie abgeschreckt und der Wucht dieser Gewalt hätten sie nichts anderes entgegen zu setzen, als eben das Gespräch. Er selbst hätte sich im Übrigen nicht zugetraut, eine körperliche Auseinandersetzung mit auch nur einem dieser afghanischen Jugendlichen zu wagen. Ich fragte ihn, was man seiner Meinung nach tun könne, um solche Zustände in den Griff zu bekommen. Nichts, was die Gesellschaft tolerieren würde.

Die ehemalige Deutschlehrerin mit der guten Rente habe ich schon ein paar Mal ausgefragt. Sie betätigt sich schon seit Jahren als ehrenamtliche Deutschlehrerin für Flüchtlinge. Lange vor der Willkommenskultur, lange bevor die Syrer kamen. Sie schwärmt von den Lernerfolgen und den kleinen glücklichen Momenten, die sie bei Flüchtlingen erlebt und beobachtet hat. Sie verflucht die Bürokratie und erklärt unumwunden, es sei wahr, dass ein großer Teil der Flüchtlinge einen Scheiß drauf gäbe sich hier zu integrieren und wirklich nur das Geld und den Wohlstand wollten. Sie berichtet von einigen kleinerern Episoden, die sie erlebt hat und dann von den Zuständen, die sie im ehemaligen Baumarkt in der Kieler Straße gesehen hat und von denen im Lager in der Schnackenburgsallee. Sie berichtet von Kindesmißbrauch, von Überfällen, denen Flüchtlinge auf dem Weg zum Klo ausgesetzt sind, von Raub, Gewalt und Drogenhandel.

Sie berichtet davon, dass in dem Waldstück rund um das HSV Stadion, Frauen aus dem Lager zur Prostitution gezwungen werden. Diesen Frauen würde gedroht, wenn sie sich weigerten und der Asylantrag abgelehnt wird, würden sie später in der Heimat, dem Kosovo, getötet.

Ich schreibe das hier, falls später wieder welche sagen, sie hätten nicht gewusst, was in den Lagern vor sich geht.

Was dort passiert, ist keine Humanitäre Bagatelle. Was in der Stadtteilschule passierte, ist kein Nuance.

Im Lager in der Schnackenburgsallee gibt es eine Polizeistation. Dort sind 2 Beamte „wochentags zwischen 7 Uhr und 18 Uhr und sonnabends von 9 Uhr bis 17 Uhr vor Ort. Der Dienst ist den Öffnungszeiten vom Betreiber der Unterkunft, "Pflegen und Wohnen", angepasst.“

Das ist kein Witz.

Auf deutschem Staatsgebiet findet unter Aufsicht eines Hausmeisters ein Alptraum aus Gewalt, Rechtlosigkeit, Mißbrauch und Barbarei statt. Und die einzig mögliche Sanktion ist das Gespräch mit den Eltern.

Es wurde in der Vergangenheit viel darüber geredet, was es alles auf deutschem Boden nicht mehr geben dürfe. Kann sein, dass ich was verpasst habe, aber das Recht war doch wohl nicht dabei. Das Gewaltmonopol des Staates - hat das inzwischen jemand weg diskutiert?

Der Lehrer der Stadtteilschule erklärte, solche Fälle, wie die Vergewaltigung wären in der Minderheit, vielleicht 5 auf 300.

Die Ex-Lehrerin erklärte mir, die meisten Flüchtlinge in den Lagern wollten wirklich bloß Ruhe und Frieden und eine Zukunft. Deshalb sind sie geflohen. Und jetzt sind sie hier zusammen mit genau den gleichen Bestien in ein Lager gesperrt, die schon ihre jeweiligen Heimaten zerrüttet oder zerstört haben.

In diesen Lagern überlässt Deutschland also seine Souveränität den Barbaren, den Bestien, den Unmenschen, während wir darüber diskutieren, dass die AFD böse ist.

Hallo?

Und dann kommen die Gutmenschen, die Handlanger der Alternativlosigkeit, die Hitler-Verhinderer, die Magermilchfaschisten mit den Fahrradhelmen, die PR-Experten für die eigene Tugendhaftigkeit und suchen nach dem Trauma der Täter. Es sei die Enge in den Lagern, die verschiedenen Kulturen, die stickige Luft. Es dauere ja auch alles so lange, die Verwaltung sei so schwierig.

Die gleichen Leute, die mit Verwaltung ihr Geld verdienen. Die Bürokratie, die Umständlichkeit, das Absurde - es ernährt sie. Sie haben kein Interesse an einer Lösung. Sie brauchen den schlechten Zustand.

Aber der Schutz von Schutzwürdigen ist die erste Legitimation für ein Staatsgebilde. Sicherheit und Recht für die Individuen und die Gemeinschaft. Wenn ein Staat das nicht leistet, dann hat er keine Legitimation. Oder fällt jemandem vielleicht ein Ersatz dafür ein? Die Öffnungszeiten des Betreibers vielleicht?

Ich bin wahrlich kein Fan der Willkommenskultur und nur, dass das hier klar ist, mir ist es im Grunde scheiß egal, ob einer Deutscher ist, Araber oder Marsmensch, aber was mir nicht egal ist, ist das Regime von Barbaren. Egal, ob es an deren Kultur liegt, der Religion, dem Mittelalter oder sonst was - ich will es hier nicht haben. Auch nicht in einem Flüchtlingslager mit Menschen, die keine Deutschen sind.

Etwas weiter die Straße runter, keine 3 Kilometer von dem Lager in der Schnackenburgsallee entfernt sind zwei Hauptverkehrsadern der Stadt gesperrt, weil unser geliebter Bürgermeister dort für etliche Millionen barrierefreie Bushaltestellen bauen lässt. Ich erwähne das hier nur, falls jemandem noch unklar sein sollte, wie unser Staat seine Prioritäten setzt und wofür er sich zuständig fühlt und wofür nicht.

Ich schäme mich dafür. Ich hab so einen Hals.

Die Bestien haben ihren verschissenen Bürgerkrieg aus allen möglichen Ländern und faszinierenden Traditionen in unser Land gebracht und führen ihn in diesen Lagern weiter.

Um dem ein Ende zu machen, müsste man in diesen Lagern wie eine Besatzungsmacht auftreten, eine Besatzungsmacht im eigenen Land. Dazu müsste man alles mobilisieren, was nötig ist: Soldaten, Sozialarbeiter, Polizisten, Psychologen, Pädagogen, Dolmetscher, Richter und Priester. Und mit Soldaten meine ich Männer mit Waffen, keine Sozpäds mit Freitagtaschen. Ich meine Bürger in Uniform, so wie es sich unser Grundgesetz in seiner unwiderstehlichen Naivität erträumt.

Man müsste tun, was der Lehrer nicht für machbar hält. Methoden anwenden, die unsere Gesellschaft bisher nicht gezwungen war zu tolerieren. Man müsste bei Verstößen gegen die Menschlichkeit, bei Gewalt, beim Versuch der Unterdrückung, bei Diskriminierung und Drogenhandel hart durchgreifen. Man müsste zivilisieren, erziehen und kultivieren. Man müsste in diesen Lagern eine Struktur von Recht und Frieden aufbauen. Man müsste "nation building" betreiben und zwar im eigenen Land! Ich weiß, das klingt verrückt, aber hat Jemand sonst `ne Idee?

Dann würden „wir“ das vielleicht schaffen.

Aber das wird nicht passieren. Nach dem großen Erfolg der „Alternativlosigkeit“, die immer dann als Parole ausgegeben wird, wenn Politiker den Grad ihrer größtmöglichen Ignoranz zum Standard machen wollen, wird es auch dieses Mal so sein. Die Lager und die Probleme werden immer größer, aber es wächst Gras über die Sache und dann ist schließlich jedes Jahr auch wieder Spargelzeit.

Aber irgendwann werden die unbegleiteten Flüchtlingskinder aus der Idylle der Inklusion in die freie Wildbahn entlassen und wer weiß - vielleicht sitzen die dann bei mir im Taxi oder bei euch in der U-Bahn.

http://www.zeit.de/2016/11/fluechtlingsdebatte-willkommenskultur-peter-slotedijk

http://www.abendblatt.de/hamburg/article206325697/Polizeistation-in-der-Erstaufnahme.html

http://www.zeit.de/hamburg/stadtleben/2016-02/fluechtlinge-fluechtlingsunterkunft-hamburg-bergedorf-alltag

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fluechtlinge-und-einwanderer-die-wichtigsten-fakten-a-1030320.html#sponfakt=11

http://m.abendblatt.de/hamburg/hamburg-nord/article107748772/Eine-harte-Schule-Vorbereitung-auf-das-Leben-in-Deutschland.html