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Böses Bartelhuden

April 2016

Das Böse ist in Bartelhuden. Bürger in Eigenheimen im Björnsonweg verhindern überaus trickreich und bisher auch erfolgreich den Bau einiger Gebäude in einem Wasserschutzgebiet.

Sie tun das mit Blockaden und Scharaden, mit Klagen und allerlei Geschick und wenn es um eine Autobahn, ein Kraftwerk oder einen Flughafen ginge, wären alle begeistert von dem Widerstand. Aber es geht um um ein paar Holzhäuser für 192 Flüchtlinge.

Diese fröhliche Aktivistin mit dem reinen Gewissen hat den Durchblick. Sie scheut sich vielleicht ohne Verkleidung aufzutreten, aber sie ist zur Stelle um ihre Diagnose abzugeben:

"Das ist widerwärtiger Rassismus und das ist nicht besser als Clausnitz, Heidenau und Freital und auch Blankenese können wir jetzt in dieser Reihenfolge nennen, weil das sind einfach nur ekelhaft ist."

http://www.spiegel.de/video/blankenese-streit-um-fluechtlingsheim-mit-kettensaege-video-1664386.html#ref=vee

Wir sind jetzt also in der Lage eine Reihenfolge aufzustellen, die den Ekel der Aktivistin vorläufig komplettiert. Das klingt nach Ordnung und Befriedigung.

In der Zeitung steht, dass die Bewohner der Eigenheime im Björnsonweg um den Wert ihrer Immobilien fürchten und nicht um den Wasserschutz, den sie als Argument gegen den Bau der Unterkunft vorbringen. Überrascht das Jemanden? Diese Mischung aus Egoismus und Gemeinsinn nennen wir Bürgertum. Wir predigen und preisen das. Es ist das Geheimnis des Erfolgs. Der Grund für Wohlstand und Stabilität dieses Landes. 

In der Zeitung steht über den Björnsonweg auch etwas von Villen, von Pfeffersäcken und von den Reichen. Da steht tatsächlich auch etwas von dem möglichen kumulierten CO2- Ausstoß ihrer Autos und Segelbootanhänger. Das klingt nach Protz und Dekadenz. Nach Verschwendung und Hochmut.

Ein Ausflug vor Ort bringt Aufschluß. Zunächst einmal: keine Villen. Der Björnsonweg ist mehr Bramfeld als Beverly Hills. Mehr 60er Jahre Häuslebauer-Siedlung und das Areal mit den weißen Häusern findet man genauso in Wandsbek und Lokstedt. Und: wenig Autos. Dicke Schlitten: Fehlanzeige. Segelbootanhänger: Wie die CO2 ausstoßen können, hat der Journalist sowieso nicht richtig erklärt.

Der infragestehende Bauplatz, das Wasserschutzgebiet, das Waldstück? Ein trauriger, vernachlässigter Bereich. Wäre das Gestern zu Bauland erklärt und würden dort Morgen noch mehr der beliebten hochwertige Immobilien entstehen - alle wären begeistert.

Stattdessen nun also eine Unterkunft für 192 Menschen, die aus Rücksicht auf die Gefühle der Anwohner nicht wie sonst als herzloser Zweckbau, sondern als geschmackvolle Holzhäuser geplant sein sollen. 192. Das klingt präzise abgezählt und ist verdächtig in Zeiten, wo Baumärkte und Lager mit tausenden Flüchtlingen überfüllt sind.

Es ist schon seltsam, was da alles zum Vorschein kommt, wenn sich die Gelegenheit bietet. Missgunst, Life-Style, Häme, Ideologie und jede Menge Geländer-Denken. Und dann der Rassismus. In der Zeitung versucht mir einer zu erklären, dass Rassismus auch geht ohne Rassisten.

Jetzt noch mal kurz zu was anderem. Wenn die Räume eng werden, was ist mit der Wahrheit? Wie erkennt man die?