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Am Ende des Tages…

Dezember `14

Nein, es gibt kein Entkommen. „Am Ende des Tages” ist die Floskel des Jahres!

Sie ist die ultimative Schwanzlänge, die konkurrenzlose Kompetenz-Kanone, der Goldstandard der Floskeln der Profis. Wobei "Goldstandard" ja eigentlich auch so ein zweifelhafter Ausdruck ist, aber irgendwie muss man ja Formulieren, oder?

Das denkt sich der gemeine 0815-Profi auch und lauscht, was die Alpha-Tiere so reden und äfft das dann nach. Es läuft so: Wenn der Abschluss einer Argumentation auf den Punkt gebracht werden muss, wird die Sache eingeläutet mit ”Aber am Ende des Tages…” und dann kommt die knackige Aussage. Es geht auch eine lahme Aussage, wichtig ist nur die richtige Floskel davor.

Manager, Berater, Politiker - kein Profi kann es sich mehr leisten den Spruch nicht zu bringen. Achten Sie darauf, wenn Sie das nächste Mal Leuten vom Schlage Andrea Nahles oder Günther Jauch zuhören, zählen Sie die Sekunden bis der Spruch kommt.

Seinen Ursprung hat dieser Satz natürlich im Amerikanischen und verbeitet daher so eine unwiderstehliche Aura der Hemdsärmeligkeit und des Pragmatismus im Stil amerikanischer Siedler. 40 Wagen westwärts und so. Nun hat diese Floskel es zurück nach Old Europe geschafft und marodiert hier durch unseren Sprachraum.

Aber etwas ist seltsam an diesem Satz, denn normalerweise sind englische Ausdrücke unseren eigenen nur dann überlegen, wenn sie kürzer, prägnanter und treffender sind. Bei ”Am Ende des Tages” ist es jedoch anders herum, denn das deutsche „unterm Strich” oder ”letztendlich” sind eigentlich mehr ”in a nutshell” als das original amerikanische ”at the end of the day”.

Woher also diese Popularität einer Redewendung, die eigentlich total unprofessionell klingt? Vielleicht weil etwas ausdrückt werden kann, das der Zeitgeist bisher nicht erlaubte? Nach dem Motto: Wenn man den lieben langen Tag irgendwelchen Blödsinn geredet und getan hat, Dinge, die der - bitte um Verzeihung - Mainstream von einem Profi eben verlangt, wenn man also in ”Mannstunden” gerechnet hat, in irgendeiner Weise ”aufgestellt” ist und irgendwelche Kostenrechnungen für nicht ”darstellbar“ erklärt hat, dann kommt am Ende es Tages die Zeit für eine kurze Geschichte über Wahrheit und Pragmatismus?

An genau dieser Stelle ist es nötig einen Blick zurück zu werfen und zwar in die guten alten 80er Jahre, denn damals wartete „Am Ende des Tages” nichts geringeres als ein großer Weinbrand.

Nachtrag:

Eine Sprecherin des renommierten "Büro Rothenburg", der Instanz für Universal-Expertise, erklärte für „Am Ende des Tages“ gäbe es Punktabzug in der Stil-Note. Eine Aussage, die als Indiz gewertet werden kann, dass die Tage für "Am Ende des Tages” bereits gezählt sind.